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65 Jahre Mauerbau – und Wilhelm Pieck steht immer noch am Straßenrand

FDP fordert Umbenennung der letzten nach Pieck, Grotewohl, Gottwald, Dimitroff und Lenin benannten Straßen in Brandenburg

Am 13. August jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 65. Mal. Wer an diesem Tag durch Brandenburg fährt, kann das auf eigenartige Weise erleben: In 18 Städten und Gemeinden des Landes tragen Straßen bis heute den Namen Wilhelm Piecks – von Cottbus über Senftenberg und Velten bis nach Stahnsdorf, in den Ortsteil Sputendorf. Dazu kommt fünfmal Otto Grotewohl (in Lübbenau, Neuruppin, Lindendorf, Brusendorf bei Mittenwalde und als Otto-Grotewohl-Ring in Strausberg), fünfmal Lenin (in Bad Freienwalde, Nauen, Niedergörsdorf, Schipkau und Lauchhammer) sowie die deutschlandweit letzte Klement-Gottwald-Straße in Wiesenau im Landkreis Oder-Spree. Sechs weitere Gemeinden ehren Georgi Dimitroff: Großräschen, Lauchhammer, Liebenwalde, Oranienburg, Rathenow und Wandlitz. In Lauchhammer stehen Pieck, Lenin und Dimitroff bis heute gemeinsam auf den Straßenschildern. Die Angaben beruhen auf dem amtlichen Straßenverzeichnis des Landes Brandenburg.

Die FDP Brandenburg fordert die betroffenen Kommunen auf, diese Straßen umzubenennen. Der Landesverband knüpft damit an seine Erhebung von Anfang 2024 an, mit der er die verbliebenen Pieck-Straßen im Land erstmals systematisch erfasst hatte.

„Ein Straßenschild ist eine Ehrung. Punkt“, sagt Julian Regenthal-Patzak, kommunalpolitischer Sprecher der FDP Brandenburg und Ortsvorsitzender in Stahnsdorf. „Wilhelm Pieck hat am Aufbau der SED-Diktatur mitgewirkt, Todesurteile gegen Unschuldige mitgetragen und deutsche Kommunisten im Moskauer Exil an Stalins Geheimdienst ausgeliefert. Otto Grotewohl trägt politische Mitverantwortung für die blutige Niederschlagung des Volksaufstands vom 17. Juni 1953. Klement Gottwald war ein stalinistischer Diktator, der in der Tschechoslowakei politische Gegner hinrichten ließ. Georgi Dimitroff hat als Komintern-Chef Stalins Säuberungen mitgetragen und als bulgarischer Ministerpräsident seinen wichtigsten demokratischen Gegner Nikola Petkow an den Galgen gebracht. Und Lenin hat den Terror begründet, auf den sie sich alle berufen haben. Dass diese Namen 2026 noch auf Brandenburger Straßenschildern stehen, ist kein Ausdruck von Gelassenheit. Es ist Gedankenlosigkeit.“

„Mir ist bewusst, dass eine Umbenennung für Anwohner Aufwand bedeutet – neue Ausweise, geänderte Briefköpfe“, so Regenthal-Patzak. „Das lässt sich lösen. Die Kommunen können die Kosten übernehmen und die Formalitäten gebündelt abwickeln, wie es andernorts längst geschehen ist. Was sich nicht lösen lässt: einem Opfer der SED-Diktatur zu erklären, warum sein Peiniger ein Straßenschild bekommt und er nicht.“


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